Über Essaouira

Die Hafenstadt Essaouira (as-Sawirah – Die Vollendete) liegt an der marokkanischen Atlantikküste – nördlich von Agadir und westlich von Marrakesch. Bis zur Unabhängigkeit des Landes hieß die Stadt noch Mogador – eine Bezeichnung, die wohl auf die portugiesische Geschichte Essaouiras zurückgeht.

Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. war die Hafenstadt Warenumschlagplatz der Phönizier, Punier und später der Römer. Ausgrabungen belegen sogar eine frühphönizische Besiedlung. Ab dem 11. Jahrhundert bis zur Eroberung der Region durch die Portugiesen (15. und 16. Jahrhundert) herrschten hier die Almoraviden. Sie begründeten mit der neuen Hauptstadt Marrakesch ihr Reich, in das auch Essaouira einverleibt wurde. 1506 begannen die Portugiesen mit dem Bau von Hafenbefestigungen, sodass die Stadt einer kleinen Festung glich.

Die eigentliche Gründung Essaouiras wurde letztendlich im 18. Jahrundert durch die Alawiden-Dynastie besiegelt. Unter den Augen des französischen Architekten Théodore Cornut wurde eine völlige Neuordnung des Hafengeländes als auch der Altstadt vollzogen – spätestens bei einem Spaziergang durch die Gassen ist die symmetrisch angelegte Struktur zu erkennen. Hafen und Stadt zogen in der Folgezeit christliche und muslimische Händler, sowie die reichsten jüdischen Familien des Reiches an. In der Blütezeit des 18. und 19. Jahrhunderts gab es hier über 20 Botschaften und Konsulate und bis zu 63 Synagogen. Die eigentliche Schönheit der Stadt wurde erst durch die Hippiebewegung in der Mitte des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt. Seitdem ist Essaouira ein beliebter Ort für Aussteiger, Künstler, aber auch vor allem für Touristen.

Optisch wirkt Essaouira nicht wie die anderen marokkanischen Städte. Blau und weiß bemalte Häuser lassen den portugiesischen Einfluss erkennen. Auch die komplett erhaltene Altstadt hat eine stark andalusische Prägung. Die Gassen sind breiter und heller angelegt und haben nicht nur eine Funktion als Weg, sondern erfüllen darüber hinaus noch das ästhetische Bedürfnis nach Schönheit. Die Medina sowie zwei Stadttore Essaouiras wurden 2001 auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes gesetzt.

Das Zentrum der Altstadt ist der Platz Mulay el-Hassan. Hier pulsiert die Stadt – Treffpunkt für die Touristen und Einheimischen, nicht nur wegen der vielen Restaurants und Hotels. Unweit des Platzes befindet sich die Festungsmauer und die kanonenbestückte Artillerieplattform der Scala de la Kasbah. Am Ende der Nordbastion hat man einen wunderschönen Ausblick hinaus auf’s Meer. Unter der Skala haben die ortstypischen Kunsthandwerker ihre Ateliers und Verkaufswerkstätten eingerichtet. Nur hier werden die aus Thujaholz geschnitzten Holzmöbel hergestellt. Im Musee Sidi Mohammed ben Abdallah können die schönsten Erzeugnisse dieser Handwerkskunst und der dahinter verborgenen Tradition bewundert werden.

Bei einem mehrtägigen Besuch von Essaouira, darf auf einen frühmorgendlichen Hafenbesuch nicht verzichtet werden. Wenn die Fischer mit ihren Booten wieder in den Hafen einfahren, wird der erste Fang des Tages versteigert. Die fangfrischen Meerestiere werden bei der allmorgendlichen Auktion versteigert und direkt vor Ort für die Käufer hergerichtet. Auch der „ganz normale“ Hafenbetrieb lädt zum Verweilen ein: Fischerboote werden von Hand gefertigt, Netzte geflickt und Angelschnüre mit Ködern bestückt. Die zwei vor der Stadt gelegenen Inseln Mogador sind ein Vogelschutzgebiet und dürfen das ganze Jahr über nicht betreten werden. Hier brüten vor allem die Eleonor-Falken in den Monaten April bis Oktober. Mit Fischerbooten ist eine Inselumrundung möglich.

Das Gnawa-Festival ist das jährlich stattfindende Highlight Essaouiras mit internationaler Bedeutung. Das Musikfestival besteht aus einer rein konzertanten Form der Musikdarbietung – der rituelle Aspekt der Musik spielt allein in dokumentarischer Form eine Rolle. Es gibt nicht nur puristisch-traditionelle Gnawa-Musik zu hören, sondern die Gnawa-Sounds gehen zum Teil gewagte Symbiosen mit Jazz und Worldbeat ein.